Samstag, 5. November 2011

POSH NOSH

JILLIAN



Wir brauchen es zum überleben. Es stillt ein Grundbedürfnis des Menschen. Wir kommen täglich damit in Berührung. Es kann ein breites Spektrum an Gefühlen auslösen, von tiefer Depression bis zur vollkommenen Befriedigung. Kulturen definieren sich darüber oder werden darüber definiert. Hat’s schon geklickt? Richtig, die Rede ist von Essen. Tönt recht langweilig, ist es aber gar nicht. Habt ihr gewusst dass die so genannte Kaffeesorte Kopi Luwak, der mit 100 Euro pro Kilo der teuerste Kaffee der Welt ist, zuerst durch den Verdauungstrakt einer speziellen Schleichkatze wanderte, bevor die Bohnen ausgeschieden, eingesammelt und dann geröstet wurden? Oder dass man (im Notfall) Kokosnussmilch als Blutersatz verwenden könnte? Oder dass die American Airlines im Jahre 1987 40'000 $ gespart haben, indem sie in der first class eine Olive weniger auf den Salat getan haben?


MELISSA



Es heisst ja immer: „andere Länder, andere Sitten.“ Die Wahrheit dieser Aussage zeigt sich auch zu Tische. Wenn man bei jemandem in der fernöstlichen Kultur zu Gast ist gehört Schmatzen und nach dem Essen rülpsen zur feinen Gangart, wohingegen man hier einen schiefen Blick erntet oder im allerschlimmsten Fall nach Hause verwiesen wird. So unkompliziert wie sich die Fernoststämmigen in unseren Augen gegenüber dem Schmatzen und Rülpsen verhalten, desto allergischer sind sie auf Verhaltensmuster, die wir nicht mal bemerken würden. Man sollte sich niemals am Tisch die Nase schnäuzen, denn das ekelt den Chinesen, dass es ihm kalt den Rücken runterläuft. Und man sollte auch nicht die Stäbchen in die Reisschale reinstecken, denn das gilt als böses Omen. Und zum Beispiel in China sollte man aufpassen, wenn man eine Einladung fürs Restaurant erhält, dass man sagt wenn man genug gegessen hat, da die Chinesen im Allgemeinen zuviel Essen bestellen, da es als beschämend gilt, wenn alles gegessen wird, was bestellt wird.

GIULIA





Auch in der Kunst ist Essen omnipräsent. Das klassische Anfängermotiv; eine Früchteschale, mit was wurde Andy Warhol weltberühmt? – Richtig mit seiner Darstellung von Campbells Tomatensuppe. Danach setzte er noch einen drauf mit seiner ebenfalls sehr populären Banane, die dank ihrem Kultstatus Agendas, T-shirts, Tassen (…) rund um die Welt schmücken darf. Ich denke, dass die Schönheit und Beliebtheit dieser Dinge in ihrer Banalität und ihrer bestens bekannten Erscheinung liegen. Wieso dass dies dann Warhol zu einem Genie machen soll? –Warhol ist zweifelsohne ein Genie, das liegt erstens daran, dass diesen Bildern trotz ihrer Einfachheit etwas spezielles, stimmungsvolles anhaftet, und zweitens, ich mein, Hallo?!, wer schafft es eine Büchse Tomatensuppe so Dekorativ abzubilden, dass sie in (fast) jedes Wohnzimmer passt? 

Pictures by: Anja Fiebiger
Make-Up: Jonas Lütolf/Anja Fiebiger
Models: Jillian Fischer, Melissa Kälin, Giulia Bosio
Text: Johannes Truffer


1 Kommentar:

  1. Das mit den Pfefferminz-Blättern gefällt mir am meisten! xx

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